- 05. Januar 2026
- Einblicke & Chancen
- Elmar Brümmer
Eine Sammlung für echte Typen
Das etwas andere Konzept des Hamburger Automuseum Prototyp

Was sich aus der simplen Abkürzung „Pkw“ alles machen lässt, sogar ein ganzes Museumskonzept. Zerlegt in die Bestandteile „Personen. Kraft. Wagen.“ haben sich die Macher des Automuseum Prototyp ein Konzept ausgedacht, dass anders ist als alle anderen Sammlungen in Deutschland. Natürlich geht es auch in der Hamburger Hafencity vorrangig um die Fahrzeuge, aber eben nicht nur. Sondern auch um die Menschen hinter den einmaligen Autos und um deren Geschichten.
Hauptsache besonders
Sich zeigen auf den zweieinhalbtausend Quadratmetern dürfen sich nur ganz besondere Autos, wie der berühmte „Berlin-Rom-Wagen“ von Porsche (Typ 64), der Weltrekordwagen von Petermax Müller aus dem Jahr 1950 oder der Formel-1-Rennwagen von Jordan, mit dem Michael Schumacher sein Debüt gab. Einmalig! Einmalig! Einmalig! Das ist das entscheidende Kriterium. Nicht alle sind deshalb Prototypen im ursprünglichen Sinn. Aber immer handelt es sich Klassiker.

Gebäude mit eigenem Charme
Designliebhaber, Technik-Enthusiasten und Motorsportfreunde kommen hinter den Backsteinwänden gleichermaßen auf ihre Kosten. Das Prototyp-Museum will Geschichte erlebbar machen, kommt mit wenig Ausstellungsstücken hinter Glas aus, bietet dafür mehr interaktive Stationen. Zum Beispiel einen Mini-Windkanal, in die aerodynamischen Eigenschaften eines Prototypenmodells plastisch werden. Alles ist auf das Wesentliche reduziert, aber dennoch besitzt das Ambiente seinen ganz eigenen Charme. Wohl auch deshalb, weil nicht viel von den Hauptdarstellern ablenkt. Das Ensemble ist ein Mix aus den Pionieren der Automobilhistorie, klassischen Sportwagen und Designikonen, flankiert von Legenden aus dem Motorsport. Mit dem Vorteil, dass die Besucher in dem denkmalgeschützten Gebäude einer ehemaligen Kautschukfabrik ganz nah ran dürfen an die Ausstellungsstücke.
Nicht einer Marke, nur der Idee verpflichtet
Markenunabhängig haben die Kuratoren besondere Exemplare aus 80 Jahren Automobilgeschichte kombiniert. Als Ergänzung dazu gibt es auch ein Schaudepot, dass die erweiterte Sammlung zeigt. Und immer wieder Sonderausstellungen, zuletzt zum Citroen DS und Porsche Heritage. Die sprichwörtliche hanseatisch Kühle wird durch die Ausstrahlung der Fahrzeuge aufgewogen. Das kann ein Audi Typ C von 1912 sein, der als „Alpensieger“ schon früh Leistung und Zuverlässigkeit kombinierte. Oder zwei Legenden, die aus der GTÜ-Stadt Stuttgart stammen: den Porsche 356 Speedster und den Mercedes 300 SL „Flügeltürer“. Den Grundstock der Sammlung bildet der Nachlass des Österreichers Otto Mathé, mit seinem berühmten Monoposto namens „Fetzenflieger“.

Was treibt die Macher?
Die beiden Museumsgründer Oliver Schmidt und Thomas König hatten sich die Philosophie „Neue Ziele. Neue Wege“ zur Aufgabe gemacht, als sie nach einem Platz in der sicher nicht armen Landschaft der deutschen Automobil-Museumslandschaft suchten. Seit drei Jahrzehnten tauchen die beiden Hamburger schon tief ein in die Historie, mit eindeutigem Faible für Porsche, begonnen hat alles mit einem VW-Kübelwagen. Seit damals versuchen sie über das Metall hinaus die Seele der Fahrzeuge zu ergründen. Getreu ihrer Deutung des Begriffes Prototyp: alles, was sie ausstellen, muss Vorbildcharakter besitzen. Einfacher ausgedrückt: Echte Typen eben.

Info
Das Automuseum Prototyp in der Shanghaiallee 7 in Hamburg ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 13 Euro (Kinder fünf Euro). Familien- und Gruppentickets erhältlich, Führungen auf Anfrage. www.prototyp-hamburg.de