Mit Vollgas in die Ferien

Kaum ein Caravan ohne Gasflasche, keine Flasche ohne Sicherheitsprüfung.

Zündende Idee: Aber nur, wenn die Leitungen geprüft sind (Fotos: Stephan Zirwes)

Kalter Kühlschrank, warme Mahlzeit, mollige Heizung: Die Energie aus der Gasflasche versorgt in Caravan und Wohnmobile mehrere Geräte. Doch mit diesem Griff zur Flasche ist es nicht getan. Alle zwei Jahre muss die gesamte Gasanlage von Fachleuten überprüft werden, wie sie in jeder Prüfstelle der GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH bereitstehen. Der Nachweis über eine bestandene Gasprüfung beruhigt für den Urlaub und auch manchen Platzwart auf dem Campingplatz.

Das gelbe Heft

Ein gelbes Heft gehört zu den treuen Begleitern des gewissenhaften Campers. Aus dieser „Prüfbescheinigung“ sollte hervorgehen, dass die Gasanlage von Wohnwagen oder Wohnmobil in Ordnung ist. Das bestätigen stets aktuell Stempel und Unterschrift des „Sachkundigen Flüssiggas G 607“. Nach bestandener Prüfung wird außerdem hinten am Wagen eine Plakette von DVGW und DVFG angebracht, die ähnlich einer Hauptuntersuchungsplakette Jahr und Monat der nächsten Gasprüfung nennt. DVGW steht für „Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches“, DVFG für den „Deutschen Verband Flüssiggas e.V.“

Das Prüfheft geht mit auf die Reise

Prüfheft hilft auf dem Campingplatz

Eine nicht mehr gültige Gasprüfung wurde bis zum Januar 2020 bei der Hauptuntersuchung (HU) des Fahrzeugs als erheblicher Mangel eingestuft. Seither ist das alle zwei Jahre fällige Prozedere nach dem Arbeitsblatt G 607 im Rahmen der HU ausgesetzt. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat jedoch festgelegt, dass Camper diese Prüfungen vom 1. April 2022 an eigenständig durchführen müssen. Das heißt, sie müssen sich unabhängig von der Hauptuntersuchung um diese Prüfung kümmern. „Aber es spart Zeit und Aufwand, HU und Gasprüfung weiterhin bei einem Termin in der Prüfstelle erledigen zu lassen“, sagt GTÜ-Partner Frank Heim vom Ingenieurbüro Heim in Metzingen. Und er hört von manchem Urlauber, dass viele Campingplätze bei der Stellplatzvergabe auf das ausgefüllte Prüfheft achten. Wenn dort bei älteren Wohnwagen und Wohnmobilen der Platz ausgeht, wird ein Ergänzungsblatt mit neuem Raum für Stempel und Unterschrift eingeheftet.

Gasflaschen dürfen nicht verrutschen

Vor einem Prüfungstermin macht es durchaus Sinn, sich die Anlage selbst anzuschauen, um den einen oder anderen Mangel rechtzeitig zu beheben und sich eine Wiedervorführung zu ersparen. Zum Beispiel, wenn es um die Sichtprüfung geht, mit der auch viele GTÜ-Partner ihre Prüfung beginnen. Wie steht es um die Fixierung der Gasflaschen, damit sie während der Fahrt keineswegs verrutschen? Liegen die Lüftungsöffnungen im Gaskasten, so dass ausgetretenes Gas ungehindert abziehen kann? Wie alt und in welchem Zustand sind Druckminderer und Anschlussschlauch? Was porös oder beschädigt ist, muss ausgetauscht werden. Wenn es alles gut aussieht, ist ein Wechsel dennoch nach zehn Jahren fällig.

Richtig unter Druck gesetzt 

Beim Fachmann erfolgt nach der Draufsicht die Druckprüfung. Mittels einer Pumpe wird die gesamte Gasanlage bei geöffneten Ventilen mit 150 Millibar unter Druck gesetzt, somit um ein fünffaches des normalen Betriebsdrucks von 30 Millibar. Ist der Prüfdruck erreicht, darf dieser Wert binnen fünf Minuten nicht um mehr als zehn Millibar abfallen. Ein stärkerer Abfall deutet auf ein Leck in der Anlage hin. In den meisten Fällen bleibt der Druck von 150 Millibar über die Fünf-Minuten-Frist hinweg unverändert. Nun zündet der Prüfer den Herd, lässt die Flammen kleiner und größer werden. Bringt er die Flamme zum Erlöschen, muss Sekunden später auch das Sicherheitsventil schließen. Auch die Funktion von Heizung oder Kühlschrank nimmt er sich vor. Wobei manche dieser Geräte auch mit Strom betrieben werden können.

Konzentriert und ganz genau: der GTÜ-Prüfingenieur bei der Sicherheitspüfung

GTÜ erledigt auch die Erstabnahme

Bei der Erstabnahme von Campingfahrzeugen erfasst in der Regel der Hersteller oder professionelle Ausrüster die notwendigen Daten und trägt sie ins gelbe Heft ein. Etwa, ob sich der Gasvorrat innerhalb des Fahrzeugs befindet oder nur von außen zugänglich ist. Neben vielen technischen Daten wird auch das Material der Rohrleitungen festgehalten, Stahl oder Kupfer. Doch der eine oder andere kundige Heimwerker baut sein Wohnmobil selbst aus. Auch solche Erstabnahmen sind beim GTÜ-Partner in besten Händen, damit bei diesen Unikaten das gelbe Heft samt Aufkleber ebenfalls zur sicheren Fahrt in die Ferne gehören.

Welchen Wert hat mein Oldtimer?

GTÜ-Classic-Partner sind auch als Wertgutachter gefragt.

Das Jubiläum „15 Jahre Oldtimer-Gutachten“ hat die Blog-Redaktion zum GTÜ-Classic-Partner Konrad Deuschle in Sulz am Eck geführt. Der Spezialist für historische Fahrzeuge ist – wie viele weitere GTÜ-Partner in ganz Deutschland – auch in Sachen Wertgutachten gefragt. Doch was verbirgt sich dahinter genau?

Oldtimer-Noten wie in der Schule

„Alle reden von Wertgutachten – und jeder meint etwas anderes“, sagt Konrad Deuschle über das zweite Standbein seines Ingenieurbüros im Landkreis Calw. Für ein Oldtimergutachten nach § 23 StVZO ist es nicht erforderlich, aber natürlich dennoch attraktiv für deren Besitzer: Sie lassen so den Markt-/Wiederbeschaffungswert eines Klassikers oder Youngtimers bestimmen. Das umfangreiche Dokument führt meist dazu, dass Versicherungen bei einem Totalverlust etwa über Diebstahl oder Brand den tatsächlichen Klassikerwert erstatten. Für den GTÜ-Classic-Partner steht die Zustandsnote – Eins für perfekt bis Fünf für mangelhaft – nicht im Zentrum. Ein ungeschweißtes Fahrzeug mit originalem Lack kann trotz Zeitspuren mindestens so wertvoll sein wie ein vollrestauriertes Objekt.

Heimspiel für schwäbische Klassiker

In den ersten Jahren seit Büroeröffnung hatten die Gutachter in Sulz am Eck sehr viele Porsche und einige Mercedes-Benz zu bewerten. „Viele Fahrzeuge dieser Kategorie sind Anlageobjekte und weniger Herzensangelegenheiten,“ sagt der Diplomingenieur lakonisch. So schön wertvolle schwäbische Klassiker sein mögen, er selbst schätzt die automobile Vielfalt und nennt Stichworte wie spannende Technik, eine ungewöhnliche Markenhistorie oder schlichtweg den plötzlichen Seltenheitswert von Allerweltautos, weil der Rost viele Artgenossen bereits dahingerafft hat. Schon lange gilt: Beliebt sind Klassiker aus der damaligen Jugend der heutigen Besitzer. „Wo kommen plötzlich so viele VW Scirocco her?“, wundert sich Deuschle und freut sich zugleich, dass sich zahlreiche junge Leute für Automobil begeistern. Meist für jüngere, von Vorkriegsklassikern rede derzeit kaum einer.

Der Wert liegt nicht nur im Auge des Betrachters (Foto: More Cars from Berlin)

Zustand und Biografie zählen

Ein Problem für die Experten ist es, dass es für ein Wertgutachten keine klaren Richtlinien gibt. „Zu einer ordentlichen Bewertung gehört in jedem Fall eine detaillierte Beschreibung des Fahrzeugzustands“, hält Deuschle fest. Auszug aus dem weiteren Kriterienkatalog: Handelt es sich etwa um einen Japan-Reimport oder eine deutsche Erstauslieferung? Lässt sich die Historie lückenlos belegen, womöglich samt Motorsporterfolgen, falls vorhanden? Verkaufsfördernd wirken sich „Matching Numbers“ aus – dabei wird festgehalten, ob noch der erste Motor eingebaut ist oder sogar das erste Getriebe oder Differential. Selbst prominenter Vorbesitz kann bei der Bewertung eine Rolle spielen. Klar aber auch: Unfallschäden senken den Zeitwert.

Wertgutachten sind eine Investition

Grundsätzlich rät die GTÜ: Ein Wertgutachten sollte mit seinem Verwendungszweck verbunden sein, denn der in einem Kurzgutachten festgestellte Marktwert zur Versicherungseinstufung eignet sich nicht für Handel oder Schadensregulierung. Daher am besten den Gutachter und Sachverständigen gleich zu Beginn seiner Tätigkeit darüber informieren, welchen Zweck das Gutachten erfüllen soll. Der Preis? Er hängt vom Aufwand und auch vom ermittelten Wert ab. Ein detailliertes Gutachten kostet üblicherweise 450 Euro bis 1.000 Euro – eine Investition, die sich jedoch rentiert, wenn die Versicherung im Fall des Falles den vollen Wert erstattet.

Wer sich für Wertgutachten interessiert, findet hier im GTÜ-Classic-Portal noch einmal alles Wichtige zusammengefasst.

Aktuelles Fachwissen zu Young- und Oldtimern halten die Experten der Prüforganisation auch auf der Classic-Pressekonferenz der GTÜ am 21. April 2022 bereit. Hier können Classic-Freunde die Gesprächsrunde ab 14:30 Uhr live miterleben.

Besser, es schriftlich zu haben: Wertgutachten der GTÜ

Amtlich: Wie Autos zum Kulturgut werden

Die GTÜ-Partner erstellen seit 15 Jahren die notwendigen Oldtimergutachten.

(Foto: Tyler Clemmensen)

30 Jahre alte Autos können in Deutschland in den Genuss eines H-Kennzeichens kommen. Der Vorteil für manchen Oldtimerfahrer: ein einheitlicher Steuersatz. Voraussetzung für das „H“ ist seit 15 Jahren ein Gutachten nach § 23 StVZO, das „Oldtimergutachten“. Was sich dahinter verbirgt, zeigt ein Arbeitsbesuch beim GTÜ-Classic-Partner Konrad Deuschle in Sulz am Eck (Landkreis Calw). Der freut sich über die zunehmende Vielfalt gepflegter Oldtimer und sagt: „Die Kulturgutbrille setze ich gern auf.“

Technisches Kulturgut erhalten

Drei rote Buchstaben auf weißem Grund: Das GTÜ-Logo in Wildberg / Sulz am Eck weist den Weg. Auf der einen Seite des Grundstücks die Prüfstelle, direkt daneben das Ingenieurbüro als Bewertungsstelle für historische Fahrzeuge und Einzelabnahmen. Für Konrad Deuschle und seine Kunden die perfekte Ergänzung, zwei Dienstleistungen des Kfz-Sachverständigen aus einer Hand: Gutachten nach § 21 und § 23 StVZO sowie Wertgutachten.

Deuschle ist seit 2015 GTÜ-Classic-Partner, einer von rund 150 in Deutschland. Sie eint nicht allein hohe Kompetenz zu historischen Autos, Motorrädern und Nutzfahrzeugen, sondern meist auch ein Faible für das rollende Kulturgut. Was in dieser Halle klar erkennbar ist: Ein Dutzend Autos und Motorräder stehen wie in einem überdimensionalen Regal auf drei Etagen. Ganz oben übt beispielsweise ein oranger NSU TT aus dem Jahr 1972 seine zeitlose Signalwirkung aus. Im zweiten Stock fällt ein Saab 9000 von 1989 auf, und zwischen einigen Moto Guzzi findet sich eine silbergraue Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe W 140, Baujahr 1992.

Schon der Fuhrpark unterstreicht die Expertise: der NSU TT der Deuschles

Voraussetzung für das H-Kennzeichen

Das richtige Ambiente, um über Gutachten für historische Autos zu sprechen, die ein kleines Jubiläum feiern. Vor 25 Jahren musste der Klassikerfreund für das H-Kennzeichen eines Oldtimers noch eine besondere Betriebserlaubnis beantragen. Das änderte sich vor 15 Jahren: Seit 1. März 2007 ist im § 23 StVZO festgelegt, dass das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen oder eines Prüfingenieurs einer amtlich anerkannten Überwachungsorganisation wie der GTÜ ausreicht. Dieses Oldtimergutachten ist eine Pflichtvoraussetzung für das H-Kennzeichen. 

Das H-Kennzeichen selbst ist natürlich nicht Pflicht, wenn ein Klassiker auf der Straße fahren soll: Mancher Fan entscheidet sich dagegen. Etwa, weil sich aus Hubraumgründen keine Steuerersparnis ergibt, er das alte DIN-Kennzeichen behalten will oder seine Versicherung attraktive Konditionen für ein wenig bewegtes Fahrzeug bietet.

Vom Kult zum Kulturgut: Oldtimer mit Geschichte

Das zweite Autoleben leben

Wird ein Oldtimergutachten erstellt, gehört eine Hauptuntersuchung (HU) mit dazu und ist danach wie üblich alle zwei Jahre fällig. Über den Unterschied zur normalen HU sagt Konrad Deuschle: „Bei heutigen Autos interessiert der optische Zustand überhaupt nicht, beim Oldtimer dagegen sehr wohl.“ Denn im Historienfall wird auch der Erhaltungs-, Pflege- und Originalzustand eines mindestens 30 Jahre alten Fahrzeugs bewertet.

Warum der eine Rolle spielt, liegt an der Zielrichtung des H-Kennzeichens: Es soll zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts beitragen. Das geht nur, wenn Ästhetik und Technik einem mindestens drei Jahrzehnte zurückliegenden Zeitgeist entspricht. Der GTÜ-Experte schaut mit viel Freude auf die Vergangenheit: „Die Kulturgutbrille setze ich mir gerne auf.“ Dieser Blick führt zum nächsten Unterschied zwischen Gebrauchtwagen und Oldtimern: „Ein älterer Gebrauchter erhält vielleicht zum letzten Mal vor dem Schrottplatz eine Plakette, ein Oldtimer dagegen hat seine Gebrauchsphase längst überstanden und lebt sein zweites Autoleben.“

Erst mal ganz genau hinschauen

Doch wie definiert sich ein „guter Pflegezustand“? Ein Anforderungskatalog nennt die Kriterien genau. Sie betreffen Karosserie, Rahmen und Fahrwerk oder Innenraum einschließlich Armaturenbrett, Sitzen und Sicherheitsgurten. Konrad Deuschle kennt die Vorschriften bis ins Detail, schließlich schult er selbst GTÜ-Prüfingenieure zu diesem Thema. Wie er selbst in der Praxis vorgeht? Auf der Hebebühne inspiziert er einen Kandidaten ganz genau. „Ich will herausfinden, was für ein Wagen vor mir steht und ob das, was ich sehe, plausibel ist.“ Auf diese genaue Sichtprüfung aller Baugruppen folgt die Identifizierung. Stimmen Fahrgestellnummer und Papiere überein? In der Praxis muss es bei Unstimmigkeiten nicht gleich um Betrug gehen, denn vielleicht handelt es sich um eine Replica. Auch Schreibfehler oder Übertragungsfehler aus der Vergangenheit trüben in den Papieren gar nicht so selten das Bild und müssen korrigiert werden. Die langjährige Erfahrung des GTÜ-Experten hilft beim Urteil, ob der Motor zum Fahrzeug passt. 

Im Spiegel der Zeit: Ingenieur Konrad Deuschle

Noch Patina, oder schon Vernachlässigung?

Eine ausführliche Prüfungsfahrt gehört beim Oldtimer zum Programm dazu, bei der Hauptuntersuchung für jüngere Wagen fällt diese meist kürzer aus. Dass hier wie dort sicherheitsrelevante Bauteile wie Bremsen, Lichtanlage, Stoßdämpfer und Fahrwerk den Vorschriften entsprechen müssen, versteht sich von selbst.

Besonders spannend wird es, wenn sich Konrad Deuschle auf die Gratwanderung zwischen „Vernachlässigung“ und „Patina“ begibt. Gebrauchsspuren wie den einen oder anderen Kratzer darf ein zum rollenden Kulturgut zählender Oldtimer haben und erst recht, wenn er in weitgehend vorhandener Erstlackierung vor dem Gutachter steht. Ein blinder Scheinwerfer jedoch oder verschlissene Sitze sind keine Patina, sondern vernachlässigte Teile, die den Erhaltungszustand mindern oder gar sicherheitsrelevant sind.

Sind alle Kriterien erfüllt, fertigt der Prüfingenieur das Gutachten, die Kosten bewegen sich zwischen 120 und 140 Euro. Wer es bei der Zulassungsstelle vorlegt, kann die Kennzeichen mit dem „H“ am Ende prägen lassen und kommt zudem in den Genuss des einheitlichen Steuersatzes. Seit 2017 lässt sich das „H“ auch mit dem Saisonkennzeichen kombinieren.