Fairlady – ein Porsche auf gut Japanisch

Die legendäre Schönheit des Datsun 280 Z

Wir alles haben ihn schon verpasst, den richtigen Moment, um den Absprung von der Fernsehcouch ins Bett zu schaffen. Irgendwann mitten in der Nacht wacht man auf, und schaut leicht verschlafen und verwirrt auf das, was sich da auf dem Bildschirm abspielt. Es war gegen 2:32 Uhr morgens, als ich auf diesem Weg die Fairlady kennenlernte – und sofort verliebt war. Denn sie war die eigentliche Hauptdarstellerin eines Tatorts vom Südwestrundfunk, in dem eigentlich ein brauner 911 Targa auf der Pole-Position steht. Aber dieser grüne Datsun 280 Z hat ihm, samt Besitzerin, die Schau gestohlen. Kein Wunder, dass der frühe Sportwagen aus dem Hause Nissan den Spitznamen „der japanische Porsche“ trägt.

Vom Musical auf die Straße

Die Blicke, die sich Kommissar und Täterin über ihre jeweiligen Fahrzeugdächer zuwerfen, sind eindeutig, auch wenn sie vorgeblich nur den Autos gelten. Szenen, die es sogar ins Feuilleton geschafft haben. Dort wird wohlwollend notiert, dass die Fahrerin des Datsun ihre Schuhe auszieht, bevor sie ins Auto steigt. Respekt! Die Geschichte der Fairlady beginnt 1969 noch unter dem Kürzel 240 Z, es folgte der 280 Z. Der Beiname war von dem Broadway-Musical „My Fair Lady“ abgeleitet worden, und war für frühere Roadster-Versionen bestimmt. Als Fairlady wurde er zum Welthit. Bis heute wird er von Nissan benutzt und der Sportwagenreihe „Z“ zugeordnet.

Schön, schnell und direkt

Mit der Fairlady Z setzte der japanische Konzern Maßstäbe im Sportwagenbau. Gebaut wurde die legendäre Reihe bis zum Sommer 1978, für den Exportmarkt meist als Datsun vermarktet. Eine halbe Million Exemplare des zweisitzigen Coupés mit selbsttragender Stahlblechkarosserie, langer Motorhaube und einem 2,4-Liter-Reihenzylinder konnten abgesetzt werden, ein Riesenerfolg für die Marke. Zur Wahl standen Schaltgetriebe oder Drei-Gand-Automatik. Das Ansprechverhalten war direkt, Sportlichkeit ging vor Komfort – so aggressiv 130 PS eben sein konnten.

Die Gene stammen aus Deutschland

Nur auf dem Heimatmarkt musste der Hubraum gedrosselt werden, da jenseits der Zwei-Liter-Grenze eine Luxussteuer fällig geworden wäre. In Deutschland, wo die Fairlady erst spät eingeführt wurde, blieb der Sportwagen mit nur ein paar hundert verkauften Exemplaren ein Exot. Dabei trägt das Auto die Gene des deutschen Autodesigners Albrecht Graf Goertz, der auch den BMW 507 gestaltet hat. Die Japaner hatten von ihm einen Gegenentwurf zu den dominierenden britischen Sportwagen gefordert.

Ein Wiedersehen per Zufall

Gut erhaltene Modelle ohne exzessiven Kilometerstand gibt es um die 20.000 Euro, liegt die Fahrleistung jenseits der 200.000 Kilometer, halbiert sich der Preis. Der Autor entdeckte sein eigenes Exemplar wieder durch Zufall und mit schläfrigem Blick, diesmal war allerdings der Jetlag schuld. Beim Kauf von gefüllten Reisbällchen in Tokio fiel sein Blick an der Kasse auf die elegante Silhouette der Fairlady, die es ihm so angetan hatte, als so genannte Quengelware. Für eine Handvoll Yen wechselte das Modell im Maßstab 1:60 den Besitzer und kann jetzt bei Bedarf auf dem Couchtisch parken, um nach dem Fernsehschlaf wenigstens neben einem bekannten Gesicht aufzuwachen.

Die Tücke mit der Lücke

Warum Einparken Traum und Trauma zugleich sein kann

Um in das letzte große Abenteuer der Moderne zu starten, muss niemand zwingend Elon Musk auf den Mars folgen. Es reicht schon eine simple Fahrt zum nächsten Supermarkt. Dann ein paar Minuten kreisen wie eine Raumsonde um die Erde, bis sich im Schatten des Neonmondes der ersehnte Lichtblick auftut: tatsächlich, ein freier Parkplatz! Er liegt zwar etwas versteckt im Universum des Discounters, nur rückwärts seitlich zu erreichen. Aber wo soll das Problem liegen? Die paar Jahrzehnte, die die Fahrschulprüfung erst her ist… Allerdings fand die Prüfung damals nicht in einem Cabrio mit geschlossenem Verdeck statt – die heute schon. Der Blick in den Rückspiegel macht dem Einparkversuchenden klar: nichts zu sehen, außer einem schwarzen Loch. Und diese Parktaschen scheinen im gleichen Verhältnis zu schrumpfen, wie die Autos größer werden.

Hoffentlich sieht das keiner!

Glücklich, wer zu zweit unterwegs ist. Auch wenn die anschließende Nummer zum peinlichsten gehört, was es an Autofahrerklischees gibt: der Partner steigt aus und gibt Handzeichen. Es sind jene Momente, in denen man hofft, dass einen keiner erkennt. Vor allem aber auch jenen einen verflucht, in dem man mit dieser Mischung aus überzeugendem Auftritt, Selbstüberschätzung und Knauserigkeit damals im Autohaus generös auf Rückfahrkamera und elektronische Einparkhilfe verzichtet hat – mit einem überzeugten: „Das wäre doch gelacht…“ Nun ja, gerade ist es eher zum Heulen.

Kreischend durchs Parkhaus

Nächster Anlauf, diesmal im Parkhaus, den Neandertalerhöhlen der Neuzeit. Damit es wenigstens keiner beobachten kann. Ganz souverän vorwärts eingeparkt, zentimetergenau bis zur Betonwand. Sag‘ ich’s nicht: geht doch. Auf dem gleichen Weg geht es raus, bis sich der Parksensor kreischend meldet. Moment! Welcher Sensor überhaupt? Es war dann eher der Seitenspiegel, der in den Nahkampf mit einem Pfeiler gegangen ist. Die Schuld kann unmöglich beim Fahrer liegen. Vielmehr ist es reine Schikane des Parkhausbetreibers, dass dieser Nachtslalom bei so schlechter Beleuchtung ausgetragen werden musste.

Die Sache mit dem Bordstein

Die eigentliche Tücke bei der Lücke ist  natürlich, dass wir denken, wir können es. Das ist im Übrigen die Geschäftsidee aller Krankenhausgipser am Rande der Skigebiete in den Alpen. Ein paar Selbstzweifel (auch als Vernunft bekannt), etwas weniger Schwung und etwas mehr Demut – und schon würde es so funktionieren, dass es keinen mehr kratzt. Aber irgendwie scheint sie noch aus dem Paradies importiert, diese Platz-da-Mentalität. Vielleicht ist es aber auch dieser in uns steckende Perfektionismus, der uns in den Wahn treibt, antrainiert einst vom Fahrlehrer. Brüllte der doch, auch wenn das Auto nur einen Millimeter weiter weg vom Bordstein war als die maximal erlaubten 30 Zentimeter: „Willst Du so stehen bleiben? Da liegt ja Australien näher!“

Wie in einem Agentenfilm

Jetzt stehen wir da mit unserer verletzten mobilen Seele. Nein, es ist nicht die Angst vorm Fliegen, die den parkenden Kolumnisten quält, sondern jenes Fahrassistenzsystem, das im Bordbuch so harmlos „Parking Assistant“ genannt wird. Per Knopfdruck im vorbeifahren ermittelt der digitale Helfer nicht nur die idealen Einpark-Koordinaten, sondern nimmt den Vorgang auch gleich selbst vor. In der Systemerweiterung „Professional“ können Parkmanöver sogar gespeichert und immer wieder abgerufen werden. Wir kommen uns vor wie in einem James-Bond-Streifen.

Am Ende ist es doch kinderleicht

Hilflos zuzugucken, wie sich Lenkrad und Auto drehen, das kann tatsächlich schlimmer als Achterbahnfahren sein. Vermutlich kränkt diese Präzision auch etwas die eigene Würde. Vielleicht ist die kluge Funktion auch gar nicht primär für den Einparkenden gedacht. Die nette Kollegin jedenfalls schwört darauf. Wenn der kleine Sohn im Auto leicht zu quengeln beginnt, wirkt das autonome Einparken Wunder. Die Kinderaugen leuchten immer wieder aufs neue, es ist die pure Faszination: „Schau doch mal, Mama, das dreht sich von ganz allein!“ Tröstlich, das am Ende wenigstens einer im Auto die Nerven behält – und sogar noch richtig Spaß am Parkmanöver hat.

Die Trends von der CES: Autos werden immer schlauer

Weg von der Spielerei auf Rädern, hin zu mehr Nutzen

Bild: www.ces.tech

Wer das Glück sucht, der findet leicht den Weg nach Las Vegas. Das gilt gleich zu Beginn des Jahres auch für alle Auto-Glückseligen: Die Technologiemesse CES ist ein Leuchtturm für die ganze Mobilitätsbranche. In der Wüste von Nevada geht es auch 2026 nicht um Preislisten oder Fahrzeugausstattungen, sondern prinzipiell um alles, was möglich ist – und damit vor allem um die Vernetzung.

Das Robo-Taxi kommt um die Ecke

Ob der Roboter der bessere Autofahrer ist, wird sich bald zeigen, wenn Uber sein serienreifes Robotaxi-Modell an den Start bringen wird. Die ersten autonomen Tests laufen schon auf den Straßen von San Francisco. Hinter der Produktion steht der kalifornische Hersteller Lucid. Das Start-Up Tensor aus den USA geht sogar noch einen Schritt weiter, und arbeitet an einem Roboauto für Privatkunden. Zukunftsmusik, die schon bald Alltag werden kann. Denn die meisten Entwicklungen, die heute auf der CES präsentiert werden, schienen noch vor ein paar Jahren unvorstellbar. Beschleunigt wird die Branche nicht mehr durch Motoren und Sprit, sondern vor allem durch die Künstliche Intelligenz.

Der CLA guckt tief in die Karten

Mercedes möchte auch weiterhin, dass Menschen hinter dem Steuer sitzen, aber sie sollen es durch die Verknüpfung von Fahrassistenzsystemen und Navigation einfacher haben. Zusammen mit dem Softwarehersteller Nvidia lenkt der neue CLA weitgehend selbstständig durch den Verkehr, was außerhalb Europas oft schon erlaubt ist, bei uns könnte die Zulassung im kommenden Jahr erfolgen. Gleiches strebt Tesla mit seinem Full-Self-Driving an. Der Komfort bei diesem nächsten technologischen Schritt: Auch wenn der Fahrer korrigiert, bleiben die Systeme aktiv, was das Fahren insgesamt entspannter machen soll. Einen ähnlichen Weg verfolgt Volkswagen und verbindet sich daher mit dem präzisen Kartenmaterial von TomTom. Anderswo mischt, wie könnte es anders sein, auch Google mit.

Wie spreche ich mit meinem Auto?

BMW kümmert sich mehr darum, wie Mensch und Maschine künftig kommunizieren sollen. Das Wunschprogramm: möglichst normal. Der neue Intelligent Personal Assistant im iX3 braucht keine umständlichen Befehle mehr, sondern funktioniert wie Alexa durch klare Anweisungen. Kein Wunder, hinter der Funktion im Auto steht ja auch Amazon. Um den richtigen Sound geht es auch bei der Active Noise Reduction, die der Zulieferer ZF entwickelt hat – damit sollen die Reifengeräusche im Innenraum deutlich gesenkt werden. Faszinierend, wie das geht: Die Technik basiert auf Beschleunigungssensoren im Fahrwerk, die Schwingungen der Luft im Reifeninneren erkennen. Ein Algorithmus erzeugt daraufhin ein Gegensignal. Aber die Zukunftsforscher vom Bodensee tun auch was fürs (Fahr-)Gefühl: per KI erkennt das neue Fahrwerk künftig automatisch, wie der Untergrund beschaffen ist und sich die Witterung auswirkt und schaltet selbst in den richtigen Modus um.

Ein Zentralhirn auf Rädern

Bosch stellt seine Fahrzeugsysteme besonders scharf, die neuen Radarfunktionen namens Gen 7 können Gegenstände auf der Fahrbahn oder im Weg schon aus weiter Entfernung erkennen. Die KI kommt bei fast allen Produkten ins Spiel, ob es nun das personalisierte Cockpit mit integrierter Parkplatzsuche ist oder das Vehicle Motion Management, dass Antrieb, Lenkung und Fahrwerk so koordiniert, dass die Wankbewegungen des Autos minimiert werden. Überhaupt ist das der Trend bei vielen Herstellern: mehr Komfort durch mehr Vernetzung. Die Autos bekommen ein neues Zentralhirn.

Zum Schluss noch ein Batteriewunder

Keine Messe ohne neues Batterie-Superlativ, diesmal vom finnischen Unternehmen Donut Lab, das die erste Festkörperbatterie in Serie bringen möchte. Die Messlatte ist hoch: Ladezeit unter zehn Minuten bei einer Lebensdauer von 100.000 Ladezyklen. Die neuen Wunderzellen sollen auch bei extremen Temperaturen ihre Leistung behalten, resistent gegen Brände sein und dazu noch aus kostengünstigen Materialen beschaffen sein. Erste Testläufe soll es bereits bei Motorrädern gegeben haben. Noch sind nahezu alle Experten skeptisch. Aber war das nicht bei allen Pionieren am Anfang so?